Tanzpädagogik Tanzwissen

Tanzpädagogik Ausbildung Absolventinnen teilen ihr Tanzwissen

since 1999

Die Seite der Tanzpädagogik Tanzwissen veröffentlicht einen Teil der Abschlussarbeiten der Tanzpädagogik Ausbildung.

Tanzwissen teilen

Hier entsteht ein Fundus aus wunderbaren Diplomarbeiten der Matchless Tanzpädagogik Absolventen. Es ist uns eine Freude dir diese Arbeiten zugänglich zu machen und wir hoffen, dass das Tanzwissen deine Tanztätigkeit unterstüzen kann.

Einblick in das Tanzpädagogik Tanzwissen von absolventen

Herzlichen Dank an die Absolventen, dass wir der Allgemeinheit ein Teil ihrer Tanzpädagogik Abschlussarbeit veröffentlichen dürfen.

Tanzen verbindet und Tanzwissen besonders in der Tanzpädagogik ist ein wunderbares Gut, was zu schätzen ist.
So freuen wir uns dir hier laufend neue Arbeiten zu publizieren und Tanzinput weiter zu geben.

Abschlussarbeit von
Autor:  Sandra Marti
Datum: 10.5.21, Malans
Webseite: https://silkflair.ch/

1. Unterrichtsthema mit Literatur beschreiben

Gemäß Definition ist ein Erfolgserlebnis ein positives Ereignis, das Auftrieb gibt. Die Situation bewirkt ein Gefühl der Freude und Selbstbestätigung, da zuvor eine Hürde gemeistert wurde. Synonym kann daher auch von Durchbruch, Errungenschaft oder Sieg und Triumph gesprochen werden. Das Erfolgserlebnis löst erneute Motivation aus. Diese wird benötigt, um weitere Schwierigkeiten auf dem Weg zu höher gestreckten Zielen überwinden zu können. Erfolgserlebnisse setzen voraus, dass etwas geplant wird, was so exakt umgesetzt werden kann. Die meisten alltäglichen Aufgaben, die wir erledigen, sind derartige Routine, dass sie sich meist nicht dazu eignen, als Erfolgserlebnisse bewertet zu werden. Die wenigsten Menschen werden sich dafür loben, dass sie eine Hürde geschafft haben. Häufig geht es um Herausforderungen, spezielle Aufgaben, die uns schwerfallen.

2. Wieso sind Erfolgserlebnisse im Unterricht wichtig?

Die Erfolgserlebnisse sind essenziell wichtig und vermitteln wichtige Informationen fürs Weitergehen: Erfolge sind Indizien dafür, dass etwas gut, richtig gemacht wird. Indem Sie nicht über Erfolgserlebnisse hinweggehen, sondern dabei verweilen und erkunden, wie es dazu gekommen ist, was Sie dazu getan haben, was dabei hilfreich war usw. erhalten Sie wichtige Informationen fürs Weitergehen. Diese Informationen werden im Gehirn gespeichert und können bei Bedarf wieder abgerufen werden. Erfolgserlebnisse fördert Motivation: Motivation ist der „Motor“, der befähigt, Ziele anzupeilen und sich dafür auch aufzuraffen und ins Handeln zu kommen. Indem Sie Erfolgserlebnisse wahrnehmen und wertschätzen, aktivieren Sie positive Gefühle, erschließen den Zugang zu sich selbst, Ihren Ressourcen, Stärken, Erfahrungen und stärken dadurch Motivation, Schritte zu machen, Ziele (weiter) in Angriff zu nehmen und auch dann dranzubleiben, wenn es unterwegs schwierig wird; nährt das Vertrauen in sich selbst sowie ins Gelingen: Wer sich bewusst mit Erfolgserlebnissen auseinandersetzt, vergegenwärtigt sich, dass Erfolg möglich ist. Dies   stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit, wie dies in der Psychologie genannt wird, das   Gefühl, selbst zum Verlauf der Dinge beitragen und positive Resultate erzielen zu können. Dies ist Nahrung für Vertrauen ins Gelingen.

 

Sehen meine Teilnehmenden, wenn ihnen etwas gelungen ist? Nehmen Sie wahr, wenn sich auf Ihrem Weg zu einem Ziel Dinge verbessern, es Zeichen von Fortschritt gibt? Viele Menschen sind so aufs Ziel ausgerichtet, dass sie nicht (an)erkennen, was unterwegs geschieht, was sie bewirken und erreichen. Die Teilnehmenden sollen sich nicht nur auf eine Figur, Kombination oder Drop fixieren. Das Ziel ist es, die Technik dahin zu Überarbeitung, sodass es zu markanten Verbesserungen kommt. Damit für die Teilnehmenden nicht nur das Endresultat (wie Figur, Kombination oder Drop) zählt, fokussieren wir uns auf die Teilziele mit der Technik, Bewegungsabläufen und Ausführung welche den Erfolg bringen. Umso positive Veränderungen einzublenden damit den Teilnehmenden Informationen, Mut und Vertrauen vermittelt werden können.

4. An Erfolgserlebnissen wachsen (Weitergehen)

„Bäume folgen einer Wachstumsregel: Licht zu sammeln, sich an Ast- und Wurzelspitzem verzweigen und Jahresringe bilden. Bäume werden nie >erwachsen<. Sie wachsen lebenslang weiter.“ 

Diese Wachstumsregel können wir in die Sportentwicklung transferieren:

  • „Licht sammeln“: Anerkennung durch erfolgreiche Darbietungen der Zielformen.
  • „Wurzelspitzen verzweigen“: Die Wurzeln nehmen die Nahrung auf und halten den Baum. Das heisst, sie schaffen Voraussetzungen und erwerben Grundlagen. Je weiter und tiefer die Wurzeln wachsen, desto besser festigen sie diese Basis.
  • „Jahresringe bilden“: Der Stamm verbindet die Wurzeln mit der Baumkrone. Jeder zusätzliche Jahresring stärkt den Stamm. Die Jahresringe stehen im Sport für die Erfahrung, die durch das Anwenden und Variieren gewonnen werden konnten.
  • „Astspitzen verzweigen“: Die Astspitzen – die turnerischen Zielformen – verzweigen sich weiter. Sie werden individuell gestaltet und fortlaufend ergänzt.

Zusammenfassend bedeutet dies:

Eine grosse Krone mit vielen reifen Früchten braucht einen kräftigen Stamm und ein breitgefächertes und tiefgreifendes Wurzelwerk. Besteht zwischen den Wurzeln, dem Stamm und den Ästen ein gesundes Gleichgewicht, kann der Baum ein Leben lang wachsen.

Literaturverzeichnis 

  • Dr. Sibylle Tobler (2015), Begleitung in Veränderung, Erfolge sehen, wertschätzen und feiern
  • Anja Rassek (2020), Erfolgserlebnisse Unentbehrlich für die Motivation
  • Jsabelle Scheurer, Rolf Niederhäuser, Cédric Bovey, Klaus Hübner, Valérie Wicht (2017), Geräte- und Kunstturnen – Fachgrundlagen, Bundesamt für Sport BASPO, 2532 Magglingen
  • Zitat Bäume Wachsen

https://www.umweltdetektive.ch/baum-beobachten-staunen/79-baumbeobachtung/baumbeobachtung-intro/277-baeume-wachsen#:~:text=B%C3%A4ume%20folgen%20einer%20Wachstumsregel%3A%20Licht,Sie%20wachsen%20lebenslang%20weiter

Abschlussarbeit von
Autor:  Livia Gnos
Datum: 11.5.21, Küssnacht am Rigi

Bei der Recherche dieser Abschlussarbeit bin ich auf sehr viele Unterrichtsspiele gestossen, die im Aerial Silk Unterricht auch gut anwendbar sind. Damit es den Rahmen dieser Arbeit nicht sprengt, habe ich mich auf fünf Spiele beschränkt. Die meisten Kinder mögen zudem themenspezifische Lektionen, bei denen sie in verschiedene Rollen schlüpfen können. Für meine Unterrichtsstunde habe ich deshalb das Thema «Wald» gewählt und die Namen der Spiele im Spielideen-Katalog dem Thema entsprechend gewählt oder erfunden. Natürlich können die Namen der Spiele dann auf irgendein Thema oder analog des Einsatzes angepasst werden. Der nachfolgende Spielideen-Katalog dieser Arbeit ist tabellarisch und stichwortartig aufgebaut und damit für die praktische Anwendung ausgelegt.

Literatur

Zuletzt abgerufen am 14. März 2021

  1. 1, zuletzt abgerufen am 1. Mai 2021
  1. 1, zuletzt abgerufen am 6. Mai 2021

Zuletzt abgerufen am 20. März 2021

  • Borella Jean-Lois (unbekannt): «J+S-Kids: Einführung Geräteturnen – Lektion 2 Gleichgewicht», Impressum: Bundesamt für Sport BASPO, Redaktion «mobilesport.ch»

Online: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2011/02/Gerateturnen_2_Gleichgewicht_d.pdf

  • S.1, zuletzt abgerufen am 1. Mai 2021.

SPIELBESCHREIBUNG

REGELN, VARIATIONEN

EINSATZ

NIVEAU, VORAUSSETZUNG

ZEIT

MATERIAL, VORBEREIT-UNG

Hasenball1)

Es gibt 1-3 Jäger, die anderen Kinder sind Hasen. Die Jäger versuchen die Hasen mit Softbällen abzuschiessen. Wenn ein Hase getroffen wird, muss er im Zauberknopf eine Figur nach Wahl machen.

 

–     Kopftreffer gelten nicht.

–     Andere Hasen können die getroffenen Hasen im Tuch durch Berührung erlösen.

Variationen:

1.      3xFelgaufschwung im Zauberknopf (Kraft)

2.      Andere Figuren üben (Hip Key vom Boden, Handknöpfe usw.)

3.      Bodenübung (Brüggli) oder Dehnung anstatt Zauberknopf-Figur

Warm-Up, Vertiefung Technik, Auflocker-ung, Kraft, Abschluss, Dehnen, Impro, Repetition

–   Mit Variationen Niveau anpassen.

–   Mind. 3 Kinder

–   Genügend Tücher vorhanden

Ca. 5-10 Min.

2-3 Softbälle (Je nach Gruppen-grösse)

 

Vorbereitung: Zauberknöpfe in Tücher

Eichhörnchen-Kletterstafette2)

Es gibt zwei Eichhörnchen-Familien. An zwei Deckenaufhängungen werden Nüsse (=Ringe) aufgehängt. Es gibt zwei definierte Startpunkte, von welchem ein Eichhörnchen jeder Familie losspringen darf. Nachdem das erste Eichhörnchen der Familie hochgeklettert ist, eine Nuss geholt hat und wieder beim Startpunkt ist, darf das nächste Eichhörnchen der Familie los. Die Eichhörnchen-Familie, welche als Erstes alle Nüsse von ihrem Baum(=Tuch) geholt hat, hat gewonnen.

–   Pro Lauf darf nur 1 Nuss (Ring) geholt werden

–   Es darf an einem Eichhörnchen gleicher Familie nach zwei misslungenen Kletterversuchen geholfen werden, falls es noch nicht gut genug klettern kann

Variationen:

1.      Kletterarten variieren

2.      Nicht alle Ringe an zwei Hacken hängen, sondern an alle möglichen im gesamten Raum und Gewinner ist die Eichhörnchen-Familie, welche am meisten Nüsse in ihrem vordefinierten Depot gesammelt hat.

3.      Weg umkehren: Nüsse müssen ins Nest (Aufhängung) gebracht werden.

Technik Klettern vertiefen/üben, Warm-Up, Kraft

–   Mind. 1 Kletterart am Tuch beherrschen

–   An der Aufhängevor-richtung ist es möglich mehrere Ringe aufzuhängen. (Sonst Variation 2)

–   Raumhöhe ist nicht zu hoch (bzw. bis zur Decke hochklettern ist möglich)

Ca. 5-10 Min.

Ca. 2-3 Ringe pro Person, je nach Höhe der Aufhängung und Wiederholung

Vorbereitung:

Ringe vorher aufhängen (oder Variation 3)

Tannenzapfen-Fangis (Hochfangis) 3)

Eine oder zwei böse Waldköniginnen (= Fänger) verwandeln die Vögel (=alle anderen Kinder) im Wald in Tannenzapfen, in dem sie diese fangen. Sobald die Vögel als Tannenzapfen verwandelt sind, hangen sie in einer vorbestimmten Figur in das Tuch.

Variationen:

1.      Variationen in den Figuren (Figur aus Zauberknopf, Kraftübung, Dehnung…)

2.      Mehrere Figuren zur Auswahl stellen

Warm-up, Vertiefung einer Figur, Kraft, Ausdauer, Abschluss, Dehnen

–   Mind. 3 Personen

–   Genügend Tücher vorhanden

Ca. 5-10 Min.

Keine

Waldtier-Würfelspiel 4)

Jedes Waldtier auf den 6 Würfelseiten entspricht einer Figur. Auf 6 Karten ist das Waldtier auf der Vorderseite, die dazu gehörende Figur auf der Rückseite der Karte abgebildet. Ein Kind würfelt und dreht die Karte mit dem gewürfelten Waldtier um und diese Figur wird ausgeführt.

Variationen:

1.      Anfänger: nur Figuren aus dem Zauberknopf auf Rückseite von Karten wählen

2.      Fortgeschrittene: Drei Mal würfeln und die drei gewürfelten Figuren aneinanderhängen (Impro, Choreo)

Choreo, Impro, Postenlauf

Repetition

–   Gewisses Figuren-repertoire vorhanden (oder siehe Variation 1)

Ca. 10 Min.

Würfel,

6 Karten

Waldsturm-Musik-Stopp 5)

Alle Vögel fliegen im Wald (=Raum) umher, ertönt ein Donnerschlag (=stoppt die Musik) müssen alle schnell hoch ins Nest (=Tuch, frei wählbar)

Variationen:

1.      Figur frei wählbar (Zauberknopf; Figur zum vertiefen…)

2.      Mit Ausscheiden (Beispiele: Wer als letzter oben ist, scheidet aus.)

3.      In Dehnposition (auch auf Matten, nicht nur in Tücher)

Warm-up

RepetitionImpro, Festigung Figur, Abschluss, Dehnen

–   Genügend Tücher (für jede Person ein Tuch) oder Variation 3

Ca. 5 Min.

Musik

Abschlussarbeit von
Autor:  Stefanie Zwahlen
Datum: 11.5.21, Zürich

Definition:
Der Begriff ist eine Kombination der beiden griechischen Wörter «ideo» und «kinesis», wobei Ersteres Gedanke, Vorstellung bedeutet und das Zweite Bewegung. Durch das Denken von Vorstellungsbildern sollen Veränderungen von gewohnten Bewegungs- und Haltungsmustern entstehen. André Bernard (Bernard,Stricker&Steinmüller, 2011) beschreibt es als die Methode, welche als Ideokinese bekannt geworden ist, die die bildhafte Vorstellung verwendet, um die Koordination der Muskeln zu verbessern.

Geschichte:
Die Entwicklung der Ideokinese geht auf Mabel Elsworth Todd zurück, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts die heilsame Wirkung von vorgestellten Bildern bei der Anwendung an ihrem eigenen Körper entdeckt hatte und 1937 das Buch «The Thinking Body» veröffentlichte. Ihre Körper-Geist-Methode wurde in den Vereinigten Staaten sowohl im tänzerischen als auch im gesundheitlichen Berufsfeld populär. Sie gab ihr Wissen über die Funktionsweise des menschlichen Körpers weiter, um bei sich selbst und ihren Schülern Veränderungen herbeizuführen.

Die Ideokinese wurde nach Mabels Tod insbesondere von Lulu Sweigard und Barbara Clark weiterverfolgt, wonach Sweigard Mabels Ideen bei der Arbeit mit Tänzern erforschte und entwickelte. Unter Anderem definierte sie «Die neun Bewegungslinien» und deren Auswirkungen (vgl. Franklin, 2021, S.18). Für Sweigard war die Ideokinese eine Methode, die Muskelarbeit im Bereich der Gelenke zu harmonisieren (Franklin, 2021). Laut Franklin (2021) machen in jüngster Zeit immer mehr Tänzer, Pilates- und Yogalehrer als auch Athleten die Erfahrung, dass körperorientierte Schulen mit methodischen Ansätzen der Imagination und metaphorischen Art äusserst nützlich sind, um ihre tänzerischen Fertigkeiten beziehungsweise ihre Bewegungen zu verbessern. In diesen Methodenbereich fallen beispielsweise auch Techniken wie die «Alexander-Technik», «Autogenes Training» und «Funktionelle Entspannung», die «Feldenkrais-Methode» oder eben die bekannte «Franklin-Methode», welche sich insbesondere auf die Körperausrichtung fokussiert. Nicht zuletzt bedient sich «Pilates» für eine korrekte Körperausrichtung des inneren Bildes des «Reissverschlusses» von Sweigard, um über die Aktivierung der schrägen Bauchmuskeln die Körpermitte zu kräftigen.

André Bernard, der die Ideokinese durch Barbara Clark, einer direkten Schülerin von Mabel Todd, kennengelernt hatte, brachte deren Arbeitsweise um 1986 nach Europa, wobei er zwischen 1991 und 2000 jährlich im Sommer Workshops in Bern gab (Bernard,Stricker&Steinmüller, 2011).

Gehirn und Imagination:
Franklin zeigt den Zusammenhang und die Wechselwirkung zwischen unserem Gehirn und Körper mit einem unverbesserlichen Vergleich auf, indem er den Körper mit einem Schiff auf hoher See vergleicht (vgl. Franklin, 2021, S.40-41). Offensichtlich müssen wir den Kapitän (unser Gehirn) schulen, um das Schiff (unseren Körper) kompetenter steuern zu können. Dabei ist ein Gedanke oder ein mentales Bild hilfreich, da damit eine Nachricht an das Nervensystem gesendet wird, weil Gedanke und Nervensystem miteinander verbunden sind. Die «aktive Imagination», wie C.G. Jung (1875-1961) sie in der Psychotherapie nannte, befähigt uns Menschen, eine innere Wirklichkeit in uns abzubilden. Dies zeigt sich in unserer Fähigkeit, die Augen zu schliessen und uns vorzustellen, wir würden gehen, kochen oder mit jemandem sprechen. «Diese Fähigkeit des Gehirns stellt die Grundlage dafür dar, Imagination im Sport, beim Tanzen und bei Gymnastikübungen zu verwenden», so Franklin (Franklin, 2021, S.47).

Damit wir diese Bilder vor unserem inneren Auge aufrufen können, bedarf es in der menschlichen respektive in der kindlichen Entwicklung eine möglichst weitreichende Bandbreite an Sinneserfahrungen. Unser sensorischer Speicher muss mit taktilen, visuellen und kinästhetischen Informationen und Erfahrungen gefüllt werden, damit es uns als Erwachsene möglich ist, mit mentalen Bildern zu arbeiten. Franklin (Franklin, 2021, S.43) bringt hierfür dieses Beispiel: «’Ich fühle mich so schwer wie ein Sack voll Sand.’ Bei Kindern müssen Sie die Bedeutung dieses Bildes erst aufbauen, indem Sie sie mit einem Sack voll Sand spielen lassen.» Er fügt an, dass Vorstellungsbilder, die auf eigenen Kindheitserfahrungen basieren, häufig besonders stark wirken.

Verschiedene Arten der Imagination und ihr Nutzen

Nutzen der mentalen Bildarbeit:

Die Frage nach dem Warum des Gebrauchs von Vorstellungsbildern und deren Nutzen lässt sich relativ einfach erklären. Eine bestimmte Bewegung lässt sich durch den Einsatz der imaginären Vorstellungskraft besser ausführen. Die Vorstellungsarbeit mit einem spezifisch-kognitiven Bild zielt auf die Verbesserung einer bestimmten Bewegung ab, wobei man in der Vorstellung diese Bewegung übt. Dies wird auch als «mentale Simulation von Bewegung (MSB)» bezeichnet. Mit dieser Methode können Bewegungsabläufe und Tanzschritte verbessert werden.

Je nach Absicht des Nutzens kann mit verschiedenen mentalen Bildern aus unterschiedlichsten Gebieten der Sinneswahrnehmung visualisiert werden. Je besser die Bilderart und das gewünschte Ergebnis zusammenpassen, desto nützlicher ist die Übung. Gerade im Tanzbereich eignen sich Mischformen, wie Franklin (Franklin, 2021, S.62) nachfolgend beispielhaft erklärt «Das kinästhetische Bild, sich wie ein im Wind wiegender Baum zu fühlen, könnte im Bereich des Tanzes und beim Erfinden von Bewegungsabläufen eingesetzt werden». Beim Tanzen und Theaterspielen unterstützen innere Bilder die Persönlichkeitsbildung und verhelfen zu mehr Eleganz und Ausdruck.

Franklin verwendet bezüglich des Anwendungsbereiches (wo) und des erzielbaren Nutzens (warum) von Imagination eine tabellenartige Auflistung, aus der ich einen für den Tanzbereich relevanten Teil herausnehme (vgl. Franklin, 2021, S.65):

Anwendungsbereich

Erzielbarer Nutzen

Mentale Bilder in der Bewegungsausbildung

Mentale Bilder unterstützen beim Bewegungslernen, bei kreativen Prozessen und beim Lösen von Problemen (einzelne Tanzschritte, Tanz- und Theaterimprovisation mit mentalen Bildern).

Imagination zur Verbesserung der Körperhaltung

Imaginieren bewirkt eine bessere Körper-ausrichtung. Dies geschieht oft durch eine Folge verschiedener Vorstellungsbilder, die schliesslich zu einer besseren Gesamtausrichtung des Körpers führen.

 Zusammenfassend lässt sich zum Nutzen des Imaginierens sagen, dass es diverse Vorteile mit sich bringt. In den Tanzstunden, um eine bestimmte Bewegung zu verbessern oder eine grössere Bewegungseffizient zu erzielen. Schliesslich kann durch Üben mit mentalen Bildern die Konzentration, Ausstrahlung und Kreativität verbessert werden.

Verschiedene Arten der Imagination:

Auch in diesem Abschnitt liste ich nachfolgend die beiden für mich wichtigsten Imaginationsarten im tänzerischen Bereich in Tabellenform auf (vgl. Franklin, 2021, S.66):

Bilderkategorien

Anwendungsbereich und Nutzen

Metaphorische Bilder: Metaphern beschreiben etwas mit Worten, die sich normalerweise auf etwas anderes beziehen. Das Bild hat eventuell nur wenig oder gar keinen Bezug zur menschlichen Biologie.

Das metaphorische Bild muss dem Schüler liegen; deshalb ist es oft sinnvoll, dass die Schüler das Bild selbst finden. Eventuell kann die Lehrkraft bestimmte Metaphern aus den Schülern herauslocken, indem sie sachlich relevante Fragen stellt. Üblicherweise verwendet in den Bereichen Tanz, Pilates, Yoga, Aikido, Tai-Chi, und Qigong, um die Bewegungs-koordination, die Bewegungssteuerung und vor allem die Bewegungsqualität zu verbessern.

Sensorische Bilder: visuelle, auditive, gustatorische, olfaktorische und taktile Sinneswahrnehmung. Der taktile Sinn reicht nicht aus, um alle denkbar möglichen Bilder zu erfassen, die sich auf Bewegung beziehen. Der taktile Sinn stellt nur einen Teilbereich der Eigenwahrnehmung dar.

Sensorische Bilder umfassen propriozeptiv-kinästhetische, taktile, visuelle, auditive, olfaktorische und gustatorische Bilder ebenso wie zeitliche und rhythmische Aspekte. Durch Einsatz unterschiedlicher Sinne kann das mentale Bild lebendiger werden.

Ein mentales Bild kann anatomisch oder metaphorisch oder eine Kombination aus beidem sein. Nachfolgend die Erläuterung beider Begriffe.

Das anatomische Bild

Ein anatomisches Bild führt immer zurück zur biologischen Realität. In Gedanken kann ich mir vorstellen, wie sich mein Schulterblatt bewegt, wenn ich den Arm anhebe. Dies passiert in der Realität tatsächlich nach anatomischer Gegebenheit. Voraussetzung für den Gebrauch anatomischer Bilder ist ein gewisses Mass anatomischer Kenntnisse beim Adressaten.

Die Metapher

Eine Metapher hingegen kann so originell und fantasievoll sein, wie es das gewünschte Ergebnis erfordert. Für eine Metapher verwendet man Worte, die etwas beschreiben, wofür man normalerweise etwas anderes bezeichnet. Ein schönes Beispiel verwendet Franklin mit der Schulter, die bei der Vorstellung, sie wäre weich und würde dahinschmelzen wie Eiscreme, auch tatsächlich diese Eigenschaften auf die Schulter übertragen werden.  Zugleich wird hier der sensorische Bereich miteinbezogen, indem die Imagination die visuelle, gustatorische und olfaktorische Sinneswahrnehmung anspricht. Metaphorische Bilder können von Anfängern schneller eingesetzt werden.

Die Frage, was ein wirksames Vorstellungsbild ausmacht, erklärt André Bernard im Buch «Ideokinese – Ein kreativer Weg zu Bewegung und Körperhaltung» (2011) in einem Interview auf Seite 34 wie folgt: «Das Bild muss, damit es wirken kann, auf das Nervensystem einen starken Eindruck machen, und damit es das tun kann, muss es ungewöhnlich sein. Es sollte nicht langweilig, vielmehr reizvoll sein. Dies kann es erreichen, indem es unerhört, lächerlich oder wunderschön ist, oder so aussergewöhnlich in anderer Weise, um die Aufmerksamkeit des Nervensystems auf sich zu lenken.»

  
  • Klein
  • Angepasst
  • Original
  • Ändern
  • Entfernen
 
    

Literatur:

Bernard, A., Stricker, U. & Steinmüller, W. (2011). Ideokinese. Ein kreativer Weg zu Bewegung und Körperhaltung. 2. Auflage. Verlag Hans Huber.

 Franklin, E.N. (2021). Frei Bewegen. 1. Auflage. Riva Verlag.

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2012 bei Human Kinetics unter dem Titel Dynamic Alignment through Imagery.